EUROPA-TOUR

Kein Montagmorgen wie jeder andere. Am 14. November 2011 versammelten sich die Politikwissenschaftskurse von Frau Lehmann und Frau Sperling am Haus der Europäischen Kommission am Brandenburger Tor. Die meisten waren bereits vorher da und die wenigsten kamen zu spät, ich nehme an, keiner wollte einen schlechten Eindruck bei der Kommission machen.

Gegen 8:20 Uhr betraten wir gemeinsam mit einem weiteren PW-Kurs aus der Wilhelm-von-Siemens-Oberschule den Gebäudekomplex der Europäischen Kommission am Pariser Platz in Berlin-Mitte. Per E-Mail wurden wir vorab über die Tagesplanung informiert. Zuerst wurden wir durch einen Abgeordneten begrüßt. Er führte uns urbane junge Menschen in das momentan größte Schlagzeilen verursachende Problem, die Euro-Schuldenkrise, ein, verknüpfte dies mit interessanten Hintergrundinformationen über Ursachen und Auswirkungen auf den Euro-Raum.

Dafür präsentierte er zunächst die positiven Seiten der Währungsgemeinschaft. Nach diesen Einblicken erklärte er die grundlegenden Aufgaben der Europäischen Kommission. Das Eis war gebrochen und wir gingen über zu Punkt zwei der Tagesordnung – dem Diskussionsforum, in dem wir eine Entscheidung zu treffen hatten, wie es mit Griechenland weitergehen solle. Rückzug aus der EU? Eingeständnis seiner Fehler? Oder sollten sie nicht eher der restlichen Welt, insbesondere den USA, zeigen, dass die EU-Staaten nicht auf die Knie fallen und jämmerlich scheitern, sondern gemeinsame Kräfte mobilisieren und zusammen jede noch so schwere Krisensituation bewältigen?

Ein Politmoderator stellte uns zwei junge Politikwissenschaftsstudenten, Johannes und Pablo, vor. Beide mussten gegensätzliche Standpunkte vertreten: Johannes war für den Austritt, Pablo sollte für den Verbleib werben. Beide bekamen drei Minuten Redezeit.

Nach dieser Einführung organisierten wir eine offene Wahl mit folgendem Resultat: Neben einigen Enthaltungen war jeweils fast die Hälfte dafür bzw. dagegen.

In den Argumentationen ging es unter anderem darum, wie ein sicherer Ausstieg gewährleistet werden könne, ohne dass die EU mit dem Erbe Griechenlands weiter belastet würde. Wie soll die Umsetzung der Schulden in die griechische Währung erfolgen? Wir warfen zwischendurch kritische Fragen ein, die beiden Vertreter antworten strukturiert und glaubwürdig. Nachdem beide ihr Abschlussplädoyer gehalten hatten, entschieden wir uns ein zweites Mal, um zu überprüfen, inwieweit es den Studenten gelungen war, uns zu überzeugen. Dabei kam es zu einem verblüffenden Resultat: Nun waren 80% für den Verbleib, 10% dagegen, die restlichen 10% enthielten sich. Pablo hatte es trotz Überziehung seiner Redezeit geschafft, mit seinem emotional packenden rhetorischen Talent den Großteil der Schüler für sich und seine Ansicht zu gewinnen.

Nach dieser spannenden Runde deckten wir uns am Informationsstand mit notwendigen Materialien ein, besonders gefragt waren die Flyer zum Lissaboner Vertrag. Der sollte nämlich am folgenden Tag Hauptbestandteil des Politwissenschaftstests sein. Gut versorgt verließen wir das Gebäude, stiegen in den extra für uns bereitgestellten Bus Richtung Deutsche Münze in Reinickendorf. Kurze Verschnaufpause für alle. Taschen und Jacken mussten – nicht ohne Grund – abgegeben werden und auf ging es durch ein Meer von Eurostücken. Vielleicht hat Dagobert Duck mehr. Zunächst gab es einige Informationen zum geschichtlichen Hintergrund der Deutschen Münze und einen Blick auf Prägemaschinen, bevor wir in den Hochsicherheitstrakt mit hohen sprengsicheren Mauern und Türen, bestückt mit Metalldetektoren, eingeschleust wurden. Hier kommt keine Münze unbemerkt raus! Unser Gruppenführer klärte uns über die einzelnen Stationen der Münzprägung und weitere Produkte, die hier hergestellt werden, auf. Vom rohen Metallstück bis hin zum fertigen Euro bekamen wir den gesamten Prozess zu sehen und fühlten großen Respekt vor dem feinmotorischen Geschick der Präger. Dann durften wir selbst unsere Prägefähigkeiten unter Beweis stellen, zwar nur an einem älteren Modell, aber für uns wurde es ein strahlendes Andenken. Die Tagesplanung musste strikt eingehalten werden und so ging es auch gleich weiter nach Berlin-Mitte – zum Alexanderplatz ins Rote Rathaus, wo wir herzlich mit einem großen, vielfältigen Buffet empfangen wurden. Eine kurze Rede und die Vorstellung zweier Begleiter, die etwas über sich und ihre Beziehung zur EU erzählten, und dann folgte der letzte Punkt: das Europaquiz. Das Spiel wurde erklärt, zwei Teams gebildet, unsere französische Begleiterin nahm uns die Anspannung. Wir mussten noch einen Moderator wählen, der war verantwortlich für die strukturierte und produktive Abstimmung über eine möglichst richtige Antwort, und einen Assistenten, der die Fragen vorlesen und die Antwort in den Computer eingeben musste. Das gegnerische Team befand sich mittlerweile im Nebenraum und wir mussten nun via Chat miteinander kommunizieren. Das erwies sich als sehr spaßige und aufmunternde Angelegenheit, nicht nur für uns Schüler, sondern auch für die Lehrer, die nun einen Einblick in unsere häuslichen Chataktivitäten bekamen.

Es wurde ernst, das Quiz begann. Wir führten mit dem gegnerischen Team ein Kopf-an-Kopf-Rennen, eine Frage war schwerer als die andere, es waren äußerst knifflige und spezifische Fragen zur Geschichte. Wir lagen vorn, wollten unseren Vorsprung ausbauen und erhielten eine Fußballfrage zur EM 2008: Welcher Spieler verhalf Spanien zum Sieg? Wir hatten einen Kenner unter uns, er wusste die Antwort auch ohne Vorgaben. Doch dann kam das, was alle schon einmal erleben mussten: Die Verbindung riss ab, wir konnten keine Antworten mehr eingeben, alles aus! Da die andere Gruppe kein Netzproblem hatte, gewann sie haushoch. Aber unsere französische Begleiterin tröstete uns, letztlich hätten wir doch alle irgendwie gewonnen.

Zum Schluss füllten wir noch einen Bewertungsbogen aus und bedankten uns für den informativen Tag. Fazit: Der Plan muss zeitlich äußerst penibel eingehalten werden, jedoch war bereits vorher alles durchdacht und durch die schnellen Standortwechsel gab es einen wunderbaren Eindruck davon, inwiefern uns die Europäisierung auf Schritt und Tritt verfolgt und wie tief sie bereits in unserem multikulturellen Berlin verwurzelt ist.

Hiermit ein großes Dankeschön an die Personen, die uns diesen Tag ermöglicht haben.

Frau Lehmann und das Team der Europa-Tour

Andre Nennstil, Mildred-Harnack-Oberschule

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